2010–2012: Philipp Baben der Erde
Zwischen 2010 und 2012 habe ich intensiv mit Philipp Baben der Erde gearbeitet. Diese Jahre waren geprägt von inhaltlicher Offenheit und einer seltenen Bereitschaft, Themen nicht zu glätten, sondern auszuhalten.
Was mir an Philipp besonders gefallen hat, war seine Unkompliziertheit. Man konnte mit ihm arbeiten, ohne sich erklären zu müssen. Ideen wurden nicht diskutiert, bis sie harmlos waren, sondern umgesetzt, solange sie noch Reibung hatten. Heute ist Philipp ein sehr erfolgreicher Kameramann. Ob und wie viel er noch fotografiert, weiß ich ehrlich gesagt nicht – wir haben uns seit fast zehn Jahren nicht mehr gesehen. Aber ich bin mir sicher, dass er seinen Weg konsequent gegangen ist.
| | | |
Was uns verbunden hat, war das Verrückte. Diese Lust, Bilder nicht nur korrekt, sondern anders zu machen. Zu provozieren, ohne laut zu sein. Gemeinsam haben wir Themen fotografiert, die andere zu dieser Zeit mit der Kneifzange nicht angefasst hätten.
Ein Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit sexuellen Vorlieben. Nicht plakativ, nicht klischeehaft, sondern analytisch. Besonders wichtig war mir dabei der Blick auf den heterosexuellen Mann – seine Fantasien, seine Abhängigkeiten, seine inneren Konflikte. Natürlich tauchten auch homosexuelle Motive auf, aber sie standen nicht im Zentrum. Genau das machte diese Serien damals ungewöhnlich.
| | | |
Zu diesen Jahren gehören Serien wie Gelüste, Muttermilch, Ängste, aber auch die Fotostrecke Gribnitzsee. Geschlossene Räume wechselten sich mit Offenheit ab. Gefängniszellen mit abblätternden Wänden standen neben Wasser, Körpern, Übergängen. Kleidung trat zurück, Situationen traten hervor. Die Bilder erklärten nichts. Sie zeigten.
Diese Zusammenarbeit war möglich, weil Philipp thematisch offen war. Weil er keine Angst vor Inhalten hatte. Und weil er bereit war, Dinge visuell umzusetzen, ohne sie vorher zu entschärfen.
|
|
|
|





