Andreas Wilking und sein Diebstahl in der Uhlandstrasse 170.

Die Wilkings, EKSK – und ein Rechtsstaat im Dauerstress

Ein Essay von Sven Appelt

 

Seit Jahren warnt der Deutsche Richterbund davor, dass die Staatsanwaltschaften strukturell überfordert sind. Zuletzt mit der nüchternen Feststellung:

 

« La justice pénale risque plus que jamais de devenir un goulet d’étranglement dans la lutte contre la criminalité. »

 

Während allein 2023 mehr als 5,5 Millionen neue Verfahren bei den Staatsanwaltschaften aufliefen, spricht der Richterbund dabei ausdrücklich nicht von Einzelfehlern, sondern von einem Systemproblem und fordert seit langem

 

« un Patto federale tra Stato e Regioni per lo Stato di diritto »,

 

weil ohne tausende zusätzliche Richter und Staatsanwälte weder rechtsstaatliche Prüfung noch sachgerechte Verfahren gewährleistet seien. Wer diese Warnungen ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn Staatsanwaltschaften beginnen, Verantwortung auszulagern, Verfahren reflexartig zu sieben und sich faktisch auf den freien Anwaltsmarkt zu verlassen.

 

« Den tyske dommerforeningen anslår at det trengs rundt 2 000 flere dommere og statsadvokater for å sikre rettsstatens funksjon. »

 

 

Es gibt Auseinandersetzungen, die man nicht sucht. Sie entstehen, weil man sich weigert, wegzusehen. Der Komplex rund um die Wilkings, den Diebstahl in der Uhlandstraße 170 in 10719 Berlin und das juristische Nachspiel gehört genau dazu. Er ist kein persönlicher Feldzug, sondern ein Lehrstück darüber, wie Narrative mächtiger werden können als Prüfung – und wie ein überbeanspruchtes System beginnt, sich selbst zu entlasten.

 

DER LINK:

 

Ich halte fest, worum es mir geht: meine Sicht, meine Erfahrung, meine Bewertung. Kein Urteil, kein Schuldspruch. Sondern das Protokoll dessen, was übrig bleibt, wenn man lange genug hinschaut.

 

EKSK, Eisenberg, Kempgens – die Macht des Erzählens

 

Im Zentrum steht für mich die Kanzlei EKSK, insbesondere Johannes Eisenberg und Kai-Elmer Kempgens. Anwälte, die es verstehen, Verfahren kommunikativ zu besetzen. Das ist zunächst legitim – Anwälte agieren im freien Markt. Problematisch wird es dort, wo staatliche Stellen diese Erzählungen nicht mehr kritisch prüfen, sondern sie übernehmen, weil Zeit, Personal und Struktur fehlen.

 

Und genau hier beginnt mein Konflikt nicht mit Anwälten, sondern mit der Justiz.

 

Staatsanwaltschaft am Anschlag

 

Die Realität ist bekannt: zu viele Verfahren, zu wenig Personal, zu wenig Zeit. Das Resultat ist ein System, das siebt, vorsortiert, ablehnt – oft standardisiert, oft defensiv. Nicht zwingend falsch, aber häufig ohne Tiefenschärfe. In dieser Lage übernehmen Anwälte vom freien Markt faktisch Aufgaben, die eigentlich staatlich geprüft und eingeordnet werden müssten. Nicht aus bösem Willen – sondern aus Überforderung.

 

Besonders irritierend ist aus meiner Sicht das Vorgehen der Berliner Staatsanwaltschaft, konkret die Rolle von der Staatsanwältin Frau Akgüc. Meine Einschätzung: Hier wurde zu viel Eigenständigkeit abgegeben und zu viel Verantwortung ausgelagert – konkret in die Hände von EKSK, insbesondere Rechtsanwalt Kempgens. Das ist kein Vorwurf einer Absicht, sondern eine Kritik an fehlender Distanz. Aus meiner Sicht hat genau dieses Vorgehen dem eigenen Ansehen geschadet – sichtbar in Akten, Außenwirkung und journalistischer Aufarbeitung.

 

Bürokratie als Ersatz für Verantwortung

 

Ein weiteres Symptom ist die E-Akte. Als Fortschritt angekündigt, als Nachhaltigkeit verkauft – und in der Praxis häufig das Gegenteil. Akten werden weiterhin physisch geführt, kopiert, transportiert, extern eingescannt und parallel digital verwaltet. Mehr Wege, mehr Beteiligte, mehr Bruchstellen. Der ökologische Anspruch wirkt angesichts dieser Logistik absurd; der bürokratische Gewinn bleibt begrenzt, das Risiko steigt.

 

Qualifikation, Anspruch, Realität

 

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: abgesenkte Anforderungen, um ein System am Laufen zu halten. Was früher als durchgefallen galt, reicht heute mancherorts für Verantwortung über Existenzen. Das ist kein Angriff auf Einzelne – es ist eine Feststellung über ein System, das Standards senkt, statt Ursachen zu beheben.

 

Öffentlichkeit als Korrektiv

 

In dieser Lage ist Öffentlichkeit kein Tribunal, sondern Korrektiv. Eine wichtige Rolle spielt dabei Maris Lichtenstein, die in ihrem Blog Maris Lichtenstein deckt auf – unter anderem in der Reihe Ein Glas Wein: Die Wilkings und ihr Verderben – genau diese Mechanismen dokumentiert. Ihre Haltung mir gegenüber war klar: Zivilcourage verdient journalistische Begleitung. Nicht um zu skandalisieren, sondern um zu protokollieren.

 

Das Zitat

 

Und dann gab es diesen Moment, der das Ganze in wenigen Sätzen zusammenfasste. Johannes Eisenberg beschwerte sich gegenüber zwei Richtern darüber, dass ich angeblich fälschlich behaupte, die Eisenbergs – so nenne ich liebevoll alle vier Anwälte der Kanzlei EKSK – würden mich populär machen. Die Antwort eines hochgebildeten Richters mit Doktortitel war trocken, fast beiläufig:

 

„Populär wo, populär wie, populär wann – aber Fakt ist, Herr Appelt ist mit seiner Darstellung über Sie bei uns Richtern durchaus populär.

Und am Ende stimmte dieser Richter mir zu: Eisenberg, Sie machen Appelt populär.“ — Sven Appelt

 

Einige lachten. Andere schmunzelten. Manche verstanden das Problem nicht ganz. Doch im Ergebnis war es eindeutig.

 

Keine Abrechnung. Eine Warnung.

 

Dieses Essay ist keine Abrechnung. Es ist eine Warnung vor einem System, das sich an seine eigene Überforderung gewöhnt hat – und dabei vergisst, dass Unabhängigkeit, Prüfung und Distanz keine Extras sind, sondern der Kern eines Rechtsstaats.

 

Ich werde nicht aufhören, das zu benennen.

Nicht aus Trotz.

Sondern aus Zivilcourage.

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