2026. ALLES NEU
Ein Essay von Sven Appelt
Meine lieben Kundinnen und Kunden, meine lieben Freundinnen und Freunde, meine lieben Partner und Wegbegleiter,
2026 beginnt nicht leise.
Es beginnt mit einer Entscheidung.
Nach Jahren, in denen ich mich mit Systemen beschäftigt habe, die sich selbst verwalten, mit Institutionen, die sich hinter Formularen verschanzen, und mit Debatten, die lieber verschieben als lösen, habe ich für mich entschieden: 2026 wird nicht repariert – 2026 wird neu gedacht.
Ich schreibe das bewusst so deutlich, weil dieses Jahr für mich kein Übergang ist, sondern ein Schnitt.
Zwei neue Kollektionen – nicht als Ware, sondern als Haltung
2026 stehen zwei neue Kollektionen an. Und sie sind kein bloßes „Weiter so“. Sie sind das Ergebnis von Konsequenz. Von Verdichtung. Von dem Wunsch, Mode wieder als Sprache zu begreifen – nicht als Produkt, das sich rechtfertigen muss, sondern als Ausdruck, der etwas fordert.
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Diese Kollektionen entstehen nicht, um zu gefallen.
Sie entstehen, um Position zu beziehen.
Andreas, er nannte mich sein Püppchen
Eines der zentralen Projekte 2026 trägt einen Namen, der weh tut – und genau deshalb notwendig ist:
„Andreas. Er nannte sie sein Püppchen.“
Es ist ein Projekt über Gewalt. Über Macht. Über Strukturen, die so lange wegsehen, bis sie sich selbst entlasten können. Es geht um Kinder, um Abhängigkeiten, um emotionale und körperliche Grenzverletzungen – und um die gesellschaftliche Bequemlichkeit, diese Themen zu delegieren: an Akten, an Zuständigkeiten, an Schweigen.
Dieses Projekt ist keine Provokation.
Es ist eine Zumutung.
Und 2026 ist das richtige Jahr dafür.
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Parallel dazu steht Braun.
Nicht als Farbe.
Nicht als Trend.
Sondern als Identität.
Braun ist für mich kein Label, das man erklärt, sondern ein Zustand, den man anerkennt. Es geht um Körper, um Zuschreibungen, um Blicke, um das permanente Erklärtwerden-Müssen. Braun ist keine Bitte um Akzeptanz. Es ist die Feststellung von Existenz.
2026 wird Braun nicht moderater.
Es wird klarer.
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Bildung, Kunst, Kultur – und warum ich mich entschied Anfragen der staatlichen Unis, abzulehnen.
Und damit kommen wir zu einem Punkt, der mir besonders wichtig ist: Bildung.
Ich habe mich ganz bewusst entschieden, mein Wissen nicht mehr an staatlichen Universitäten weiterzugeben. Nicht aus Arroganz. Nicht aus Trotz. Sondern aus einem sehr einfachen Grund: fehlende Wertschätzung.
Die Honorare, die staatliche Universitäten – insbesondere in Berlin – für Gastdozenturen anbieten, sind nicht nur niedrig. Sie sind herablassend. Sie signalisieren nicht Sparsamkeit, sondern Geringschätzung. Und ich finde: Wenn ein Senat der Meinung ist, Bildung derart gering zu honorieren, dann darf er sich nicht wundern, wenn Wissen abwandert.
Ich habe mich deshalb entschieden, ausschließlich an privaten Universitäten zu lehren. Dort, wo Vorbereitung, Erfahrung und Verantwortung als das behandelt werden, was sie sind: Arbeit. Wertvolle Arbeit.
Und ich sage das so deutlich, weil es einen Zusammenhang gibt, den man nicht oft genug benennen kann:
Ein Land, das Bildung schlecht bezahlt, kann keine kulturelle Zukunft erwarten.
Ein Land, das Kunst als Kostenfaktor betrachtet, wird keine Kunst hervorbringen.
Und eine Stadt wie Berlin, die sich gern mit Kultur schmückt, sie aber strukturell aushungert, verwechselt Mythos mit Realität.
Deutschland war einmal ein Land der Dichter und Denker.
Nicht, weil es talentierter war.
Sondern weil es Bildung ernst genommen hat.
2026 wird für mich das Jahr, in dem ich diese Ernsthaftigkeit wieder einfordere – nicht mit Appellen, sondern mit Entscheidungen.
Berlin, ich bleibe – aber nicht um jeden Preis
Ich glaube an Berlin. An seine Geschichte. An seine Brüche. An sein Potenzial. Aber ich glaube nicht mehr an das Märchen, dass Kultur von allein entsteht, wenn man sie nur lange genug romantisiert.
Kultur braucht Räume.
Kunst braucht Schutz.
Bildung braucht Respekt.
Und genau dafür setze ich mich 2026 ein – mit meinen Kollektionen, mit meinen Projekten, mit meiner Arbeit als Dozent, mit meiner Stimme.
Nicht aus Trotz.
Sondern aus Verantwortung.
2026 ist neu.
Und das ist gut so.


