Auf ein Glas Wein
Auf ein Glas Wein ist ein schriftliches Podcast-Format von Sven Appelt.
In essayistischen Dialogen spricht Appelt mit engen Freunden über Konflikte, Macht, Projektion, Sprache und die Absurditäten persönlicher wie institutioneller Auseinandersetzungen.
Ausgangspunkt sind reale Dokumente – E-Mails, Briefe, Sprachnachrichten – die nicht als Beweise, sondern als Erzählmaterial dienen. Mit schwarzem Humor, Sarkasmus und analytischer Schärfe werden Narrative seziert, Selbstbilder entlarvt und historische Begriffe (wie etwa Stasi, Tschekisten, Loyalität, Staat) in ihrer rhetorischen Funktion hinterfragt.
Begleitet von Musik und bewusst ohne therapeutischen Anspruch ist Auf ein Glas Wein kein Versöhnungsformat, sondern ein Gedächtnisraum: für Gespräche, die man eigentlich beenden möchte – aber nicht kann, solange sie Wirkung entfalten.
Es beginnt immer gleichbleibend Langweilig...
Er heißt Sven.
Und das hier ist kein Gespräch, das etwas lösen will.
Er sitzt an einem Tisch.
Da steht ein Flasche Wein.
Manchmal auch zwei.
Mehr Rahmen braucht es nicht.
Sven lädt Menschen ein, die er kennt.
Freunde. Wegbegleiter. Leute, die geblieben sind.
Nicht, weil alles leicht war –
sondern weil nicht alles leicht war.
Sie reden über Dinge, über die man eigentlich nicht mehr reden möchte.
Aber muss.
Weil sie sonst nicht verschwinden.
Es wird ruhig.
Es wird unangenehm.
Manchmal auch komisch.
Meistens gleichzeitig.
Das hier ist kein Podcast mit Antworten.
Das hier ist ein Ort, an dem Erinnerungen ausgesprochen werden dürfen,
ohne dass jemand klatscht oder heilt.
Wenn es sich schief anfühlt,
ist es wahrscheinlich richtig.
Heute ist alles etwas anders, denn heute trifft Sara auf Sven und die Stühle werden getauscht.
Der Wein ist offen.
Das Gespräch kann beginnen - Auf ein Glas Wein – Folge 3
Sara im Gespräch mit Sven Appelt.
Sara:
„Ich fange mal ganz unromantisch an:
Was ist das für ein lächerliches Schreiben?“
Sven:
Das neueste Werk von Kempgens – voll an ironischen Aussagen, die mehr seiner Fantasie als der Realität entsprechen. Strafverteidiger-Lyrik halt: immer Drama, aber keine Dramaturgie.
Sara:
Solltest Du ins Gefängnis?
Also wirklich – nicht gefühlt, nicht emotional, sondern ganz nüchtern betrachtet:
Solltest Du für das, was Du getan hast, dermaßen bestraft werden?
Sven:
Na ja, Sara, sagen wir es mal so – Du kennst mich.
Es ist ja nicht so, dass ich im Supermarkt eine Rolle Drops geklaut habe.
Ich habe am 22.02.24 eine erste Aufforderung erhalten, ausgesprochen von Frau Dr. Röpert. Diese Aufforderung habe ich zwar ernst genommen, allerdings habe ich innerhalb von fünf Monaten an Frau Cheab zwei Nachrichten gesendet. Das kostete mich 150,00 €.
Im August 2024 habe ich mich dann wieder widersetzt und sechs bis sieben E-Mails geschrieben – an Cheab und Wilking.
Das Ganze hat mich, glaube ich, dann noch einmal rund 150,00 € gekostet – glaube ich.
Und dann – ich weiß ehrlich gesagt bis heute nicht genau warum – kam Kai Kempgens wieder auf die Idee, das Ganze neu aufzurollen.
Vermutlich, weil man davon ausgegangen ist, dass die Sache abgelaufen sei und man jetzt wieder von vorne anfangen könne. Oder weil schlicht seine Honorare so schön hoch sind.
Ich habe dann wohl erneut weitere E-Mails geschrieben – an ihn.
Andreas Wilking habe ich ehrlich gesagt nie ernst genommen. Kann man auch nicht, sollte man auch nicht und werde ich auch nicht.
Und dann wurde es absurd.
Herr Kempgens wandte sich erneut an das Gericht und gab dabei Adressen an, an denen ich mich nie aufgehalten habe.
Adressen, die faktisch nicht existieren.
Er behauptete, ich würde im Privatjet nach Südafrika fliegen und mein Geld vor ihm verstecken.
Sara:
Stimmt, das hast Du mir sogar gezeigt.
Ist der Richter darauf eingegangen?
Sven:
Auf diese Geschichte aus dem Hause EKSK?
Mit Sicherheit nicht!
Ich glaube, nachdem Kempgens dem Richter die „Kacke-Geschichte mit dem Schaufenster“ vorgetragen hat, war dieser raus – also der Richter.
(Beide lachen.)
Bis heute wird behauptet, ich würde irgendwo in Brandenburg leben und mit einem Privatjet von A nach B fliegen.
Ich sei reicher als Kempgens und auch noch attraktiver – obwohl das ja sogar stimmt. Charakterlich definitiv.
Man muss das einmal aussprechen, um zu merken, wie grotesk das ist.
Kempgens redet seine Mandanten um Kopf und Kragen – und wird fürstlich dafür honoriert.
Am 28. Mai 2025 kam dann dieser eine Beschluss – oder zwei Beschlüsse.
Und um genau diesen einen oder zwei Beschlüsse geht es eigentlich die ganze Zeit.
Um nichts anderes.
Dieser Beschluss wurde genutzt, um mit mir hausieren zu gehen.
Um mich als polizeibekannten Psychopathen darzustellen – das weißt Du ja.
Und um sich, als Andreas Wilking, gänzlich selbst als unglaubwürdig zu entlarven.
Die spätere Verhandlung im Dezember 2025 resultierte einzig daraus, dass ich wieder mein Eigentum zurückgefordert habe – und das nach der Aussage von Kempgens nicht darf.
Kempgens verbietet mir ein Grundgesetz. Und ob er das darf, entscheidet nun ein weiteres Gericht.
Mehr habe ich nicht getan.
Weder habe ich „Kacke an ihren Laden bemalt“, noch sie eine „Hartgeld-Nutte“ genannt.
Ich habe niemanden beleidigt.
Niemanden beschimpft.
Niemanden bedroht – so das Urteil von Herrn Dr. Ammann.
Ich habe ironisch und sarkastisch geschrieben, ja.
Ich gehe mit meinen Mails auf die Nerven, ja.
Ich habe Kempgens provoziert, bis seine Mandanten sich verraten haben, ja.
Ich bin stolz darauf, ja.
Ich würde es weiterhin tun? Nein.
Denn nun ist so viel geschrieben, bewiesen und bestätigt, dass selbst die Staatsanwaltschaft es nicht mehr übersehen kann – und die können verdammt blind sein.
Genau dagegen habe ich mich gewehrt.
Mit Gesprächen, Interviews und all den Sprachnachrichten meines persönlichen WhatsApps.
Und dann, am 15.01.2026, hat Dr. Ammann zu Recht gesagt:
„Herr Appelt, wir müssen hier jetzt endlich ein Ende finden, sonst geht das immer weiter.“
Ich habe gesagt:
Na gut, dann finden wir jetzt offiziell ein Ende.
Sara:
Und das sind dann – theoretisch – diese sieben Nächte,
während Herr Kempgens ursprünglich 40 Tage wollte.
Sven:
Also verdammt ja, ich habe die beiden genervt und für meine Kunden gekämpft.
Denn die Wilkings haben ja absichtlich mein Eigentum und das meiner Kunden zerstört, gestohlen und sogar teilweise an Dich weitergegeben.
Und selbstverständlich würde ich dafür sieben Nächte in einem Gefängnis schlafen.
Überlege Dir, welche Stories man danach machen könnte:
„Zivilcourage trifft auf EKSK“,
„Go for Jony“
oder
„Eine Nacht für die Wahrheit“.
Sara:
„Okay.
Selbst wenn ein Richter sieben Nächte Gefängnis verhängt –
was heißt das eigentlich?
Ist das Strafe?
Ist das Symbolik?
Oder ist das eher so eine Art pädagogischer Zeigefinger mit Handschellen?“
Sven:
Der Richter hat dem Wunsch nach 40 Tagen selbstverständlich nicht entsprochen – wie auch.
Ich bin kein Stalker, kein Narzisst und ich habe keine gestörte Persönlichkeit oder mehrere, wie Zainab Cheab.
(Beide lachen.)
Sara:
Aber das brachte er vor!
Sven:
Kempgens? Klar.
Der ist auch noch Hobbypsychologe – vielleicht, um sich selbst oder seine Mandanten besser zu verstehen.
(Beide lachen wieder.)
Und auch verständlich, denn durch seine eigenen Mandanten hatte er ja auch keinen Bezug zu anderen, normalen Menschen.
Sara:
Wie meinst Du das?
Sven:
Na, er hat doch nur die Wilkings und dann seit 100 Verhandlungstagen diesen BND-Fall mit dem Volksverräter – und wohl keine anderen Mandanten.
Denn welcher geistig normale Mandant bezahlt völlig überzogene Honorarstunden und lässt sich dann noch halbherzig verteidigen?
Niemand.
Sara:
„Und dann dieser Kontrast:
Ein Richter, der offen sagt:
‚Ich habe einen Fehler gemacht. Ich korrigiere ihn.‘
Wie wirkt so ein Satz auf jemanden,
der vorher gelernt hat, dass Gerichte selten Fehler eingestehen?
Und warum verdient genau das Deinen größten Respekt?“
Sven:
Dr. Ammann – ein wirklich sehr erfahrener Mann, ehemaliger Strafrichter, heute Familienrichter – hat sich am Ende für sieben Nächte entschieden.
Wobei selbst das ja noch unter dem Vorbehalt steht, ob diese Art der Bestrafung überhaupt praktisch anwendbar ist.
Sieben Nächte sind keine Resozialisierung.
Sieben Nächte sind keine echte Strafe im klassischen Sinn.
Sieben Nächte sind Symbolik.
Sieben Nächte sagen:
„Appelt, Du hast jetzt zum vierten Mal nicht gehört. Viermal haben wir ein Auge zugedrückt – nun müssen wir etwas machen, sonst könnte man uns unterstellen, dass wir Sie mehr mögen als die Wilkings (was wir zwar tun, aber nicht aussprechen dürfen).“
Es müsste mehr Richter wie Dr. Ammann geben.
Denn Fehler sind keine Schwäche – sie sind Stärke.
Wahrheit ist Recht.
Recht ist Wahrheit.
Das können selbst „Jonys drei Fragezeichen“ nicht abändern – egal, wie sehr sie es versuchen.
Und genau deshalb muss man sich fragen:
Was sollen solche Strafen eigentlich bringen?
Sara:
„Lass uns mal kurz grundsätzlich werden:
Was soll Bestrafung eigentlich leisten?
Abschrecken?
Erziehen?
Oder einfach nur zeigen, dass jemand gerade Macht ausüben darf?
Und ganz ehrlich –
hat diese Strafe irgendwem wirklich geholfen?“
Sven:
Über die Art der Bestrafung haben wir jetzt wirklich genug gesprochen, mein Schatz.
Und ehrlich gesagt kann man dieses Thema nur noch sarkastisch ertragen.
Denn schau Dir dieses Land an:
Du kannst in Deutschland Kinder missbrauchen, Frauen vergewaltigen, schwerste Gewaltverbrechen begehen – das Einzige, was Du brauchst, ist ein Anwalt aus der EKSK-Truppe oder einen anderen Strafverteidiger. Dann bekommst Du eine Bewährungsstrafe, gehst weiter arbeiten, meldest Dich regelmäßig beim Abschnitt 25 und nach zwei Jahren versprichst Du, es nicht noch einmal zu machen.
Aber wehe, Du hinterziehst Steuern.
Oder – noch schlimmer – Du schreibst E-Mails, um Dein Eigentum zurückzufordern.
Dann wird es plötzlich richtig ernst bei den EKSK-Jungs.
In Deutschland scheint das Schreiben von E-Mails zur Wahrung des eigenen Eigentums teilweise schwerer zu wiegen als massive Gewaltverbrechen.
Ja, das klingt extrem sarkastisch.
Aber leider ist es die Realität – und anders kann man es ehrlich gesagt nicht mehr ernst nehmen oder ertragen.
Sara:
Sven, Du solltest Politiker werden.
Denn teilweise redest Du – wie Dein Freund Jens Spahn – mit großen Worten um das eigentliche Problem herum.
Also:
Siehst Du Dich bestraft?
Sven:
Sara, klar.
Und kommen wir zu meinem Song, den ich mir ausgesucht habe:
„Los Angeles, you took care of me
I raise my broken glass to your sanctuary.“
Ich sehe die Bestrafung eher wie eine Art Ordnungswidrigkeit mit Wiederholung.
Denn „Los Angeles ist Berlin“ und das „zerbrochene Glas ist meine Seele“ – und mein Schutzraum: die deutsche Justiz.
Denn wenn Du genau hinschaust:
„The blackest wine in front of me
Drink up, little boy
And wash down your tears“
Ich bin nicht derjenige,
der diesen „schwärzesten Wein“ trinken muss.
Ich bin nicht derjenige,
der seine Tränen hinunterspült,
um irgendwie weiter funktionieren zu können.
Ich gehe aus dieser Situation positiv heraus.
Ich habe ausgesprochen, was ist.
Ich habe nicht geschluckt.
Ich habe mich nicht kleinmachen lassen.
Derjenige, der am Ende mit sich selbst arbeiten muss,
der seine eigene Kränkung sortieren muss,
der seine Tränen trocknet,
ist und bleibt Andreas Wilking.
Es geht nicht mehr um
Bestrafung statt Verständnis,
sondern um Benennung statt Einschüchterung.
Nicht um Autorität ohne Verantwortung,
sondern um Haltung ohne Rolle.
Nicht um
„Schluck es runter“,
sondern um
„Ich schlucke nichts mehr.“
Die sieben Nächte stehen für mich nicht für Strafe.
Sie stehen für das Ende einer Eskalationsfantasie.
Am Ende haben keine harten Worte gewonnen.
Auch keine große Rhetorik.
Sondern Klarheit.
Und dann bleibt etwas sehr Unangenehmes zurück:
Es geht hier nicht um Recht.
Es geht nicht um Schutz.
Es geht um verletzte Männlichkeit – eines Mannes, dem noch nie ins Gesicht gesagt wurde:
„Kempgens, ich habe keinen Respekt vor Ihnen. Nicht einmal im Ansatz.“
Es geht um Männer,
die ihre Bedeutung nicht über Argumente,
nicht über Verantwortung,
sondern über Projektionsflächen herstellen.
Über die Figur eines Kindes.
Über die Tochter Maria.
Nicht, weil dieses Kind etwas getan hätte.
Sondern weil Erwachsene ihre eigene Ohnmacht
dort ablegen,
wo sie moralisch unangreifbar scheint.
Sara:
Sven, ich brauche eine Pause.
Das ist hart – hart zu lesen, hart zu schreiben und hart zu verarbeiten.
Ich frage mich ja:
Wenn ein Strafverteidiger versucht, durch fast schon primitive Aussagen den Antragsteller oder den Angeklagten zu verunsichern –
geht es dann noch um Recht?
Oder nur noch darum, jemanden emotional aus dem Gleichgewicht zu bringen?
Und warum bist Du diesem einen Strafverteidiger so offen respektlos begegnet?
Sven:
Weil man alles in einem Blick erkennt.
Du kennst mich – ich rede mit den Augen.
Ich beglückwünsche mit den Augen,
ich lobe mit den Augen
und ich verachte mit ihnen.
Ein Strafverteidiger, der Dir nicht in die Augen sehen kann,
hat keine Argumente mehr.
Keine Haltung.
Keinen inneren Standpunkt.
Ich habe das bei Kai Kempgens sehr deutlich erlebt.
Kein Augenkontakt.
Kein echtes Gegenüber.
Nur Narrative.
Behauptungen.
Ablenkung.
Und bei Johannes Eisenberg sehe ich etwas anderes – aber nicht Besseres:
eine Überformung durch den eigenen Mythos.
Zu viel Geschichte,
zu viele Kämpfe,
zu wenig Gegenwart.
Beide eint,
dass sie den Blick meiden,
wenn er etwas zurückwerfen könnte,
das sie nicht kontrollieren.
Wer den Blick senkt,
steht nicht über Dir.
Er steht unter Druck.
Und was dann entsteht,
ist kein Respekt.
Es ist Mitleid.
Ein Mann, der Dir erklärt,
Du seist ein Psychopath,
der Dir Orte andichtet,
Lebensumstände erfindet
und an Silvester imaginäre E-Mails verortet,
handelt nicht aus Stärke.
Er handelt aus Ratlosigkeit.
Aus Überforderung.
Aus dem Bedürfnis,
irgendetwas sagen zu müssen,
wenn nichts mehr trägt.
Und ja –
er hat gespürt,
dass ich ihn nicht ernst nehme.
Nicht aus Arroganz.
Nicht aus Provokation.
Sondern aus einem sehr nüchternen Gefühl:
Mitleid.
Sara:
„Magst Du eigentlich Strafverteidiger?“
Sven:
Nein.
Und das ist keine Pose.
Ich halte viele Strafverteidiger für ein Symptom eines Systems,
das selbst nicht mehr an seine eigene Qualität glaubt.
Wir brauchen sie nicht, weil sie so moralisch wären,
sondern weil die Justiz überfordert ist
und die Staatsanwaltschaften personell wie fachlich ausgedünnt sind.
Richter hoffen heute oft darauf,
dass Strafverteidiger die gröbsten Fehler der Staatsanwaltschaft abfangen.
Nicht aus Respekt,
sondern aus Notwendigkeit.
Wenn man sich die Zahlen anschaut,
sieht man steigende Misserfolge,
sinkende Substanz
und eine erschreckende Routine im Scheitern.
Strafverteidiger sind in diesem Gefüge kein Korrektiv aus Gewissen,
sondern aus Geldinteresse.
Nur dieses Interesse zwingt das System,
seine eigene Inkompetenz sichtbar zu machen.
Sara:
„Was braucht ein funktionierendes Rechtssystem eigentlich mehr:
Paragraphen?
Oder Zivilcourage?
Also Menschen,
die nicht nur anwenden,
sondern auch Verantwortung übernehmen –
so wie dieser Richter es getan hat?“
Sven:
Das ist eine sehr schwere Frage.
Weil Zivilcourage und Rechtssystem zwar optisch gut nebeneinander stehen,
aber inhaltlich kaum im selben Atemzug funktionieren.
Denn wie willst Du Dich strikt an ein Rechtssystem halten
und gleichzeitig Zivilcourage besitzen?
Beides widerspricht sich oft.
Nehmen wir einfach zwei Rollen:
Herrn Kempgens und mich.
Herr Kempgens hat Zivilcourage –
allerdings niemals in einem Gerichtssaal.
Dort verfolgt er ein rein finanzielles Interesse.
Er verdient Geld damit, Strafen zu verteidigen –
unabhängig davon,
welche Geschichten, Narrative oder Konstruktionen dafür nötig sind.
Und ja,
das ist sein Beruf.
Bestes Beispiel ist sein lächerliches Schreiben von …
In diesem Schreiben zeigt er nun deutlich seine Erschöpfung
und seine andauernde Ermüdung,
die wir alle ertragen mussten.
Aber genau dort endet auch jede moralische Fallhöhe.
Was mich dabei besonders erschüttert hat,
war ein Moment in der Verhandlung,
den ich Dir erzählt habe.
Er fragte mich sinngemäß,
wer angeblich Fotos von mir gemacht haben soll.
Ich antwortete:
Vielleicht die Kinder von Frau Cheab.
Daraufhin lachte er.
Belächelte das.
Und warf – in einem Tonfall,
den ich als verachtend und dumm empfunden habe –
eine Bemerkung in den Raum,
die sich auf das Thema eines missbrauchten Kindes bezog.
Für mich war das ein Punkt,
an dem jede Grenze gefallen ist.
Nicht, weil es juristisch „unzulässig“ gewesen wäre,
sondern weil es menschlich entlarvend war
und seine wahre geistige Größe zeigte.
Das zeigt für mich nicht nur Abgestumpftheit,
sondern eine erschreckende Einfachheit im Denken.
Eine Primitivität, die glaubt,
mit Provokation ein Argument zu ersetzen –
das „Eisenberg-Syndrom“.
Man kann mit so etwas vielleicht bei Menschen punkten,
die einfache Erklärungen brauchen
oder Lautstärke mit Stärke verwechseln –
wie Eisenberg, Wilking oder Cheab.
Aber sobald jemand zuhört,
der differenziert denken kann,
der emotional und intellektuell nicht unterlegen ist,
bleibt davon nur eines übrig:
Leere.
Und absolute Dummheit.
Mehr nicht.
Und ja –
das ist hart.
Aber manchmal ist Härte einfach nur Klarheit.
Sara:
Am Ende sagst Du,
die wahren Verlierer seien diejenigen,
die verloren haben –
durch Geld, Zeit, Leben, Glaubwürdigkeit.
Ist das ein Urteil über das System
oder über einzelne Personen?
Sven:
Am Ende ist das eigentlich eine ganz einfache Frage.
Gewonnen hat hier niemand.
Nicht Kai Kempgens.
Nicht Johannes Eisenberg.
Nicht die Familie Wilking.
Und auch nicht ich.
Verloren haben alle.
Und am meisten
ein junges Mädchen.
Und wenn ich ehrlich bin,
liegt die Verantwortung dafür bei einer einzigen Person:
bei Kai Kempgens.
Bei seiner Engstirnigkeit.
Bei dieser penetranten Ego-Lotion,
die er sich offenbar jeden Morgen ins Gesicht schmiert,
um sich selbst zu gefallen.
Er hat es ja noch einmal ganz offen vor Richter Dr. Ammann gesagt:
„Ich werde mit Ihnen nicht sprechen, Appelt.
Ich will mit Ihnen nicht sprechen.“
Das ist kein juristischer Standpunkt.
Das ist keine Strategie.
Das ist pure Arroganz.
Und genau diese Arroganz
hat mich dazu gezwungen, öffentlich zu gehen.
Arroganter kann man sich als Rechtsanwalt kaum positionieren.
Und genau dieser Satz steht sinnbildlich dafür,
warum am Ende niemand etwas gewonnen hat –
außer vielleicht die Erkenntnis,
dass Ego kein Ersatz für Haltung ist,
Kai Elmar Kempgens.
Abschlussfrage
Sara:
„Wenn Du heute auf den 15.01.2026 zurückblickst –
was würdest Du jemandem sagen,
der gerade denkt,
er sei diesem System völlig ausgeliefert?
Und wenn man diesen Beschluss nüchtern betrachtet:
Wem hilft er wirklich?
Dem System?
Den Beteiligten?
Oder am Ende niemandem –
außer dem Gefühl,
dass jetzt ‚etwas passiert‘ ist?“
Sven:
Sara, ganz ehrlich –
das sind die einzigen Fragen,
die mich wirklich freuen.
Weil sie nichts mehr mit diesem Fall zu tun haben.
Nicht mit mir.
Nicht mit dieser Familie.
Nicht mit Anwälten, Richtern oder Beschlüssen.
Du kannst einem Menschen in einem System,
das müde ist,
das kaputt ist
und sich selbst nur noch verwaltet,
keine aufmunternden Phrasen mitgeben.
Das wäre gelogen.
Unser System hat ein strukturelles Problem.
Ein selbstgemachtes.
Die Staatsanwaltschaften sind unterbesetzt,
fachlich ausgedünnt,
die Anforderungen wurden immer weiter abgesenkt.
Früher bist Du mit 3,8 durchs Examen gefallen –
heute wirst Du Staatsanwalt.
Das ist kein Fortschritt.
Das ist ein Armutszeugnis.
Viele Richter wissen das.
Sie sprechen es nur selten aus.
Deshalb sage ich niemandem:
Vertrau dem System.
Ich sage nur:
Vertrau Dir selbst.
Und halte Dir einen Satz vor Augen,
der für mich der einzige Maßstab ist:
Wahrheit ist Recht.
Recht ist Wahrheit.
Ein Strafverteidiger lebt vom Gegenteil.
Dort gilt:
Lüge ist Werkzeug.
Wahrheit ist flexibel.
Und das muss so sein –
sonst kann er seinen Beruf nicht ausüben.
Ich muss mich damit nicht messen.
Und ich will es auch nicht.
Und was dieses Urteil angeht:
Ich glaube nicht, dass es irgendwem hilft.
Das weiß auch der Richter.
Es musste etwas passieren –
nicht, weil es gerecht war,
sondern weil Stillstand nicht mehr ging.
Sieben Nächte sind keine Strafe.
Sie sind eine Geschichte.
Und Geschichten haben manchmal mehr Wirkung
als Urteile.
Wenn ich heute auf den 15.01.2026 schaue,
dann sehe ich keinen Sieger.
Alle haben verloren:
Zeit.
Geld.
Glaubwürdigkeit.
Und am meisten
ein junges Mädchen,
das all das nie hätte tragen müssen.
Und trotzdem –
ich glaube,
dass genau solche Momente
etwas in Bewegung bringen.
Ich habe einmal sinngemäß an Wolf Biermann gedacht.
Er hat Deutschland nicht als böses Land beschrieben,
sondern als ein sattes, träges, müdes Land.
Ein Land,
das lieber verwaltet als denkt.
Lieber erklärt als handelt.
Und genau deshalb belächle ich die Gen Z.
Und genau deshalb bewundere ich sie.
Sie nervt dieses Land.
Und das ist gut so.
Sie zwingt diese gesättigte, fette Verwaltung,
sich endlich zu bewegen.
Vielleicht unbeholfen.
Vielleicht viel zu spät.
Aber immerhin.
Wenn dieses Land sich jemals ändern sollte,
dann nicht aus Einsicht,
sondern aus Erschöpfung.
Und wenn jemand heute denkt,
er sei diesem System ausgeliefert,
dann sage ich nur:
Du bist es nicht.
Aber Du darfst nicht erwarten,
dass das System Dich schützt.
Du musst lernen,
Dich selbst ernst zu nehmen.
Mehr kann –
und will –
ich dazu nicht sagen.
Warum „Look Outside“ für mich exakt zu diesem Interview und zum 15.01.2026 passt
Dieses Interview war für mich keine Rechtfertigung.
Es war auch kein Versuch, irgendetwas zu gewinnen.
Es war ein Schritt nach außen.
Und genau darum geht es in Look Outside.
Dieses Lied fordert keinen Trost ein.
Es bittet nicht um Verständnis.
Es sagt nicht: Du bist schuld oder Du bist unschuldig.
Es sagt:
Schau nach draußen.
Nicht nach innen,
wo Schuld, Scham und Rechtfertigungen endlos kreisen.
Sondern nach außen –
auf Strukturen, Rollen, Macht und Projektionen.
Genau das habe ich getan.
Der „schwärzeste Wein“
In diesem Song steht der „blackest wine“ für etwas,
das man schlucken soll,
damit ein System weiterläuft.
Für Bitterkeit.
Für Zumutung.
Für Dinge, die man akzeptieren soll,
ohne sie zu hinterfragen.
Ich bin nicht derjenige,
der diesen Wein getrunken hat.
Ich habe nicht geschluckt.
Ich habe nicht stillgehalten.
Ich habe nicht akzeptiert,
dass Widerstand plötzlich als Krankheit gilt.
Ich habe ausgesprochen, was ist.
Und allein dadurch
hat diese Erzählung aufgehört zu funktionieren.
„Drink up, little boy“
Dieser Satz ist für mich der Kern des Liedes.
Er steht für Herablassung.
Für das alte Prinzip:
Sei still.
Füge Dich.
Schluck es runter.
Genau das ist mir hier nicht passiert.
Nicht, weil ich lauter war.
Nicht, weil ich aggressiver war.
Sondern weil ich klar geblieben bin.
Ich habe mich nicht kleinmachen lassen.
Ich habe mich nicht in eine Rolle drängen lassen,
die andere gebraucht hätten,
um sich selbst zu stabilisieren.
Sieben Nächte – keine Strafe, sondern ein Ende
Die sieben Nächte waren für mich keine Strafe im eigentlichen Sinn.
Sie waren Symbolik.
Ein formales Ende einer Eskalation,
die längst nichts mehr mit Recht zu tun hatte.
Nicht:
Du bist schuldig.
Sondern:
Wir müssen das jetzt beenden.
Das ist kein Sieg des Systems.
Das ist sein Eingeständnis.
Was wirklich verhandelt wurde
Je länger dieses Verfahren lief,
desto klarer wurde mir:
Es ging nie wirklich um Recht.
Es ging nie um Schutz.
Es ging nie um Ordnung.
Es ging um verletzte Männlichkeit.
Um Menschen,
die Autorität brauchen,
weil ihnen Argumente fehlen.
Es ging –
und geht –
um das Ego von Kempgens.
Look Outside beschreibt genau das:
Macht, die sich selbst beruhigt,
indem sie andere kleinmacht.
Und dieses Interview zeigt,
dass diese Strategie scheitert,
sobald jemand nicht mehr schluckt,
sondern hinschaut.
Warum genau dieses Lied
Ich habe dieses Lied gewählt,
weil es kein Opferlied ist.
Kein Hoffnungslied.
Kein Protestlied.
Es ist ein Entlarvungslied.
Es sagt mir nicht:
Alles wird gut.
Es sagt:
Jetzt siehst Du, was hier passiert.
Und genau das ist für mich
der Kern dieses Interviews
und des 15.01.2026.
Nicht,
dass jemand gewonnen hätte.
Sondern,
dass eine Erzählung
aufgehört hat,
zu wirken.
Und manchmal
ist genau das
der einzige
wirkliche Ausweg.